Modernes Labormanagement: Warum ein teures LC/MS Projekt ohne systematisches Wissensmanagement schnell scheitert

Warum moderne Analysengeräte ohne strukturiertes Wissensmanagement zum Risikofaktor werden – und wie Labore den Wert ihrer Investitionen durch systematische Wissenssysteme sichern
Modernes Labormanagement: Warum ein teures LC/MS Projekt ohne systematisches Wissensmanagement schnell scheitert
Zuletz bearbeitet:
February 6, 2026

Moderne Analytik wird immer leistungsfähiger. Hochauflösende LC/MS-Systeme, komplexe Software, automatisierte Methoden – technologisch sind viele Labore heute auf einem beeindruckenden Stand. Und trotzdem bleibt ein zentrales Problem ungelöst: das Wissensmanagement im Labor.

Ein Gerät allein erzeugt noch keine Qualität. Ohne strukturiertes Labormanagement und gelebtes qualitätsmanagement labor wird selbst das beste System zum Risiko.


Wenn Technik schneller wächst als Wissen

Die Anschaffung eines hochmodernen LC/MS-Systems ist eine strategische Entscheidung. Sie erweitert das analytische Spektrum, ermöglicht neue Methodenentwicklungen und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit. Doch mit zunehmender Komplexität der Geräte steigen auch die Anforderungen an Bedienung, Methodik und Troubleshooting exponentiell.

Kleine Wissenslücken haben in diesem Kontext plötzlich große Auswirkungen:

  • Falsch gewählte Parameter führen zu fehlgeschlagenen Läufen
  • Wiederholungsanalysen verursachen Zeit- und Materialverlust
  • Unnötige Serviceeinsätze generieren hohe Kosten
  • Unsicherheit im Team führt zu sinkender Effizienz
  • Dokumentationslücken schaffen Compliance-Risiken

Das ist kein Geräteproblem. Es ist ein Wissens- und Organisationsproblem. Die technologische Leistungsfähigkeit eines Systems kann nur dann abgerufen werden, wenn das notwendige Wissen systematisch aufgebaut, dokumentiert und verfügbar gemacht wird.


Weniger Serviceeinsätze durch Wissensmanagement
Weniger Serviceeinsätze durch Wissensmanagement

Rund 80 % der Labornutzer berichten von kritischen Wissensabhängigkeiten von einzelnen Personen. Wer Wissen im Labor systematisch managt und verfügbar macht, reduziert diese Abhängigkeiten – und senkt gleichzeitig die Quote von unnötigen Serviceeinsätzen

Warum Technologie allein keine Qualität erzeugt

In regulierten Umgebungen – sei es unter GMP, ISO 17025 oder ISO 15189 – ist die Reproduzierbarkeit von Ergebnissen nicht nur ein wissenschaftliches, sondern auch ein regulatorisches Gebot. Ein hochmodernes Analysegerät liefert jedoch nur dann verlässliche Ergebnisse, wenn es korrekt bedient, gewartet und methodisch eingesetzt wird.

Die Qualität der analytischen Arbeit hängt von mehreren Faktoren ab:

Methodenverständnis: Die Kenntnis über Trennmechanismen, Ionisierungsprozesse und Matrixeffekte ist entscheidend für die Methodenentwicklung und -validierung.

Gerätekompetenz: Die praktische Fähigkeit, das System zu bedienen, Parameter anzupassen und Abweichungen zu erkennen, muss vorhanden sein.

Troubleshooting-Fähigkeit: Bei unerwarteten Ergebnissen oder Systemfehlern muss das Team systematisch Ursachen identifizieren und Lösungen umsetzen können.

Dokumentationsdisziplin: Alle Eingriffe, Anpassungen und Beobachtungen müssen nachvollziehbar dokumentiert werden.

Fehlt auch nur einer dieser Bausteine, wird aus einem Präzisionsinstrument eine Black Box, deren Ergebnisse zwar technisch korrekt sein können, deren Zuverlässigkeit aber nicht garantiert ist.


Das „Key-User-Risk" in Laboren

In vielen Laboren konzentriert sich das operative Wissen auf einzelne Personen. Die erfahrene Mitarbeiterin, die das LC/MS seit Jahren betreut, wird zur unverzichtbaren Ressource. Sie kennt die Eigenheiten des Systems, weiß, welche Parameter bei welcher Matrix funktionieren, und kann Probleme oft intuitiv lösen.

Dieses Modell funktioniert – solange diese Person verfügbar ist. Fällt sie krankheitsbedingt aus, wechselt den Arbeitgeber oder geht in Rente, entsteht ein Vakuum. Das Wissen existiert nicht in dokumentierter Form, sondern ausschließlich im Kopf einer einzelnen Person.

Die Konsequenzen sind erheblich:

Betriebsunterbrechungen: Kritische Analysen können nicht durchgeführt werden, weil niemand die notwendigen Kenntnisse besitzt.

Qualitätsprobleme: Weniger erfahrene Mitarbeitende treffen Entscheidungen auf Basis unvollständiger Informationen.

Ineffiziente Einarbeitung: Neue Teammitglieder benötigen Monate, um sich das notwendige Wissen anzueignen – durch Trial-and-Error statt strukturierter Wissensvermittlung.

Compliance-Risiken: Ohne dokumentierte Verfahren und Wissensgrundlagen lassen sich Entscheidungen gegenüber Auditoren nicht nachvollziehbar begründen.

Dieses Key-Person-Risk ist weder skalierbar noch mit den Anforderungen moderner qualitätsmanagement labor Systeme vereinbar. In regulierten Umgebungen, in denen prüfmittelüberwachung, Dokumentation und Rückverfolgbarkeit entscheidend sind, wird es zum Compliance-Problem.

Wie Wissenslücken Qualität, Kosten und Compliance beeinflussen

Die Auswirkungen unzureichenden Wissensmanagements lassen sich in drei Dimensionen beschreiben:

Qualitätsdimension

Unzureichendes Wissen führt zu Fehlern in der Methodenausführung. Falsch gewählte Säulen, ungeeignete Lösungsmittelgradienten oder fehlerhafte Massenspektrometereinstellungen erzeugen ungenaue oder ungültige Ergebnisse. Die Folge sind fehlgeschlagene Validierungen, Out-of-Specification-Ergebnisse oder im schlimmsten Fall falsche analytische Aussagen, die sich durch nachfolgende Prozesse fortpflanzen.

Kostendimension

Wiederholungsanalysen aufgrund vermeidbarer Fehler verursachen direkte Kosten: Reagenzien, Verbrauchsmaterialien, Arbeitszeit. Hinzu kommen indirekte Kosten durch verzögerte Projektabschlüsse, ungeplante Serviceeinsätze und ineffiziente Ressourcennutzung. Ein System, das aufgrund von Wissensdefiziten nicht optimal genutzt wird, amortisiert sich deutlich langsamer als geplant.

Compliance-Dimension

Regulatorische Anforderungen verlangen nachvollziehbare, dokumentierte Prozesse. Wenn Wissen nur implizit existiert, fehlt die Grundlage für konsistente SOPs, nachvollziehbare Methodenentwicklung und begründbare Abweichungen. Audits decken diese Lücken auf – mit potenziell schwerwiegenden Konsequenzen.

Das Papierlose Labor ist längst keine Zukunftsmusik mehr
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„Das papierlose Labor ist längst kein Zukunftskonzept mehr, sondern eine Notwendigkeit. Nur so lassen sich zentrale Schnittstellen, Prozesse und Kontexte sinnvoll miteinander verknüpfen und Wissen aktiv managen. Moderne Lösungen wie LabThunder leisten einen wichtigen Beitrag, um genau diese Vernetzung im Laboralltag Realität werden zu lassen.

Wissensmanagement als Kernbestandteil von Laboratory Asset Management

Traditionell fokussiert sich laboratory asset management auf die physische Verwaltung von Geräten: Inventarisierung, Wartungspläne, Kalibrierungsintervalle. Diese Perspektive greift zu kurz.

Ein modernes laboratory asset management umfasst auch die Wissensebene:

Betriebserfahrung: Welche Probleme sind in der Vergangenheit aufgetreten? Wie wurden sie gelöst? Welche Lösungsansätze haben nicht funktioniert?

Methodenwissen: Welche analytischen Strategien haben sich für spezifische Fragestellungen bewährt? Welche Matrixeffekte sind bekannt?

Wartungshistorie: Welche Komponenten wurden wann ausgetauscht? Gab es Auffälligkeiten vor oder nach dem Austausch?

Schulungsstand: Wer ist für welche Systeme und Methoden qualifiziert? Wo bestehen Wissenslücken im Team?

Troubleshooting-Datenbank: Welche Symptome deuten auf welche Fehlerquellen hin? Welche diagnostischen Schritte sind sinnvoll?

Diese Informationsebenen sind untrennbar mit dem physischen Asset verbunden. Ein Gerät ohne zugehöriges Wissen ist ein unvollständiges Asset. Die Investition in ein LC/MS-System umfasst nicht nur Hardware und Software, sondern auch die systematische Entwicklung und Dokumentation von Wissen über dieses System.

Das papierlose labor wird in diesem Kontext zum Enabler: Informationen sind digital verfügbar, durchsuchbar, strukturiert und direkt am System abrufbar. Statt in Ordnern, Notizbüchern oder E-Mail-Verläufen zu suchen, finden Mitarbeitende relevantes Wissen genau dann, wenn sie es benötigen.


Grenzen von Excel und klassischen LIMS-Systemen

Viele Labore versuchen, prüfmittelüberwachung excel-basiert oder über klassische lims systeme abzubilden. Für einfache Aufgaben – Wartungsplanung, Kalibrierungstermine, Geräteinventar – funktioniert dieser Ansatz durchaus.

Doch sobald es um dynamisches, kontextbezogenes Wissen geht, stoßen diese Werkzeuge an Grenzen.

Limitationen von Excel

Excel-Tabellen sind linear und statisch. Sie erfassen Daten, aber keine Zusammenhänge. Eine prüfmittelüberwachung excel Tabelle zeigt, wann eine Wartung fällig ist – aber nicht, warum bei der letzten Wartung ein bestimmtes Problem auftrat, wie es gelöst wurde und welche Mitarbeitenden daran beteiligt waren.

Die Verknüpfung zwischen Gerät, Ereignis, Ursache, Lösung und beteiligten Personen fehlt. Wissen bleibt fragmentiert. Die Suche nach relevanten Informationen ist ineffizient. Die Skalierung auf mehrere Geräte und ein wachsendes Team ist kaum möglich.

Limitationen klassischer LIMS

Klassische lims systeme sind primär proben- und ergebnisorientiert. Sie verwalten Analysenaufträge, Messdaten, Freigabeprozesse. Ihre Stärke liegt in der strukturierten Abwicklung von Routineanalysen und der Datenintegrität.

Wissensmanagement im engeren Sinne – Erfassung von Troubleshooting-Erfahrungen, Best Practices, methodischen Erkenntnissen – ist nicht ihre Kernfunktion. Zwar können manche Systeme Kommentare und Notizen erfassen, doch fehlen meist die Such- und Verknüpfungsfunktionen, die für systematisches Wissensmanagement notwendig sind.


Die Rolle des papierlosen Labors

Das papierlose labor ist mehr als die digitale Ablage von Dokumenten. Es schafft die technische Grundlage für vernetzte, durchsuchbare Wissenssysteme.

In einem konsequent papierlosen Labor sind alle relevanten Informationen digital erfasst und miteinander verknüpft:

  • Gerätedokumentation und Bedienungsanleitungen
  • Methodenbeschreibungen und Validierungsberichte
  • Wartungsprotokolle und Serviceberichte
  • Troubleshooting-Logs und Fehleranalysen
  • Schulungsnachweise und Qualifizierungsunterlagen

Die Vorteile liegen auf der Hand: schnellerer Zugriff, bessere Durchsuchbarkeit, ortsunabhängige Verfügbarkeit, automatisierte Erinnerungen und Workflows. Doch der entscheidende Mehrwert entsteht durch die Verknüpfung dieser Informationen. Ein Troubleshooting-Eintrag ist nicht nur eine isolierte Notiz, sondern mit dem betroffenen Gerät, der durchgeführten Methode, den beteiligten Personen und eventuell ähnlichen historischen Vorfällen verbunden.

Diese Vernetzung macht aus Einzelinformationen systematisches Wissen.


Praktische Elemente eines strukturierten Wissensmanagement-Systems

Ein funktionierendes Wissensmanagement im Labor basiert auf mehreren ineinandergreifenden Elementen:

Systematische Ereigniserfassung

Jeder relevante Vorfall – sei es eine Abweichung, ein technisches Problem, eine unerwartete Beobachtung – wird erfasst. Nicht als bürokratische Pflichtübung, sondern als Wissensbaustein. Entscheidend sind Symptome, Ursachenanalyse, durchgeführte Maßnahmen und deren Wirksamkeit.

Troubleshooting-Datenbank

Eine strukturierte Sammlung typischer Probleme und bewährter Lösungen. Wenn ein Peak tailing auftritt, wenn die Retention sich verschiebt, wenn das Ionensignal schwächer wird – zu all diesen Symptomen existieren mögliche Ursachen und diagnostische Schritte. Diese müssen nicht jedes Mal neu erdacht werden.

Methodennotizen und Best Practices

Welche Einstellungen funktionieren bei bestimmten Substanzklassen besonders gut? Welche Säulen zeigen bei welchen Matrices optimale Trennung? Welche Vorbereitungsschritte sind kritisch? Dieses Erfahrungswissen muss systematisch dokumentiert und zugänglich gemacht werden.

Servicehistorie und technische Interventionen

Jeder Komponententausch, jede Justierung, jede Kalibrierung wird dokumentiert – nicht nur als Wartungsnachweis, sondern als Teil der Gerätbiografie. Muster werden sichtbar: Welche Komponenten verschleißen schneller? Welche Probleme treten nach bestimmten Eingriffen häufiger auf?

Qualifizierungsmatrix

Wer darf welches Gerät bedienen? Wer ist für welche Methoden geschult? Wo bestehen Wissenslücken, die geschlossen werden müssen? Ein systematisches Kompetenzmanagement verhindert, dass kritische Analysen von unzureichend qualifizierten Personen durchgeführt werden.

Lessons-Learned-Prozesse

Nach größeren Vorfällen, nach Methodenentwicklungen, nach Audits: Was haben wir gelernt? Was sollte anders gemacht werden? Diese Erkenntnisse müssen in das System zurückfließen – in Form aktualisierter SOPs, ergänzter Troubleshooting-Einträge oder zusätzlicher Schulungen.


Fazit: Nicht mehr bei Null starten

Moderne Labore investieren erhebliche Summen in analytische Technologie. Ein teures LC/MS-System ist eine strategische Investition in analytische Leistungsfähigkeit. Doch diese Investition entfaltet ihren vollen Wert erst dann, wenn das Wissen über Bedienung, Methodik, Troubleshooting und Optimierung genauso professionell gemanagt wird wie das Gerät selbst.

Wissensmanagement ist kein Luxus, sondern ein integraler Bestandteil von Labormanagement und qualitätsmanagement labor. Es reduziert Risiken, erhöht Effizienz, verbessert Qualität und stärkt Compliance. Es verhindert, dass Labore bei jedem Personalwechsel, bei jeder unerwarteten Störung, bei jeder neuen methodischen Herausforderung wieder bei Null starten.

Die Kombination aus laboratory asset management, digitalen Systemen und konsequentem Wissensmanagement schafft die Grundlage für stabile, leistungsfähige und zukunftssichere Laborbetriebe. In einer Zeit, in der analytische Anforderungen steigen, regulatorischer Druck zunimmt und Fachkräfte knapp werden, ist systematisches Wissensmanagement keine Option mehr – es ist eine Notwendigkeit.

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